WARUM TRETEN SIE WIRKLICH ZURÜCK, HERR WINTERKORN?

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Winterkorn,

WARUM TRETEN SIE WIRKLICH ZURÜCK, HERR WINTERKORN?

wissend, dass Ferndiagnosen, besonders ohne mit den unmittelbar Beteiligten und Betroffenen persönlich gesprochen zu haben, höchst problematisch sind, erspare ich Ihnen eine solche. Aber ein paar Fragen zu Ihrem Rücktritt habe ich schon. Bis zum Beweis des Gegenteils haben Sie einen Anspruch darauf, dass ich Ihnen glaube, dass Sie von den systematischen Manipulationen der Abgaswerte persönlich nichts gewusst haben, man kann und muss ja als CEO schließlich nicht alles wissen. Nachdem ich mich nun zu diesem Glaubensakt aufgerafft habe, stellt sich mir aber nun die Frage, warum Sie ausgerechnet jetzt von Ihrem Posten als CEO zurücktreten. Das würde ich gerne verstehen. Wäre es nicht gerade jetzt an Ihnen, persönlich dafür zu sorgen, dass diese Manipulationen vollständig aufgeklärt und die dafür verantwortlichen Menschen angemessen zur Rechenschaft gezogen werden? Rechnen Sie mit der Möglichkeit, dass Ihr Rücktritt als Zeichen von Verantwortungsübernahme und Ermöglichung eines Neuanfangs – was immer das auch ist? – eben alles andere als Verantwortungsübernahme und ein Neuanfang ist? Und übrigens, warum überhaupt ein Neuanfang? So ärgerlich und teuer das (kriminelle?) Verhalten der Verantwortlichen in dieser Angelegenheit auch ist, geht's nicht ein bisschen weniger pathetisch und phraseologisch? Was meinen Sie denn wirklich mit Neuanfang? Und, falls ein Neuanfang tatsächlich nötig wird, wie soll Ihrem Nachfolger denn ein Neuanfang gelingen, wenn er erst einmal ein paar (wahrscheinlich sehr) unangenehme Aufräumarbeiten zu erledigen hat? Fragen über Fragen...

Auf Ihre Antworten bin ich gespannt

Ihr
Eberhard Jung

PS Zu Risiken und Nebenwirkungen von Rücktritten, von Rücktritten von Rücktritten, von Neuanfängen und von unnötigen Neuanfängen fragen Sie Ihren Hofnarren und Coach. Und falls Sie keinen haben sollten, rufen Sie einfach an.

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