gescheit – gescheiter – gescheitert

Über Risiken und Nebenwirkungen des Expertentums

Angeblich ist ja noch kein Meister (-Experte) vom Himmel gefallen, aber schon mancher die (Karriere-) Leiter herunter.

Wie im richtigen Leben haben auch Experten ganz klein angefangen. Auf der untersten Sprosse des Expertentums wissen sie nicht, was sie alles nicht wissen. Durch Beobachten, Feedback, Lernen und Co. erklimmen sie die nächste Sprosse, auf der sie nun wissen, was sie alles nicht wissen. Immerhin ein Fortschritt, und weil sie das zugeben und anfangen, all die Dinge zu lernen, die ihnen wichtig und sinnvoll erscheinen, klettern sie (mehr oder weniger) rasch auf die nächste Sprosse, auf der sie nun wissen, was sie alles wissen. 

Spätestens jetzt nennt man sie gescheit. Da sie ab jetzt fleißig von ihrem bewussten Wissen Gebrauch machen, klettern sie früher oder später auf die oberste Sprosse des Expertentums und machen jetzt sehr regen Gebrauch von ihrem unbewussten Wissen. Hier oben angekommen, nennt man sie jetzt gescheiter im Vergleich zu den anderen, die nach wie vor "nur" gescheit sind.

Berauscht von ihrem Erfolg, verlieren sie aber häufig genug den Kontakt zum richtigen Leben und umgeben sich meistens nur noch mit Menschen, die sie für ihr fulminantes Expertentum bewundern. Und – schwupps – stürzen sie (ohne es zu merken) wieder auf die unterste Sprosse, auf der sie wieder nicht mehr wissen, was sie alles nicht wissen. Weil sie sich aber immer noch auf der obersten Sprosse wähnen, verstehen sie gar nicht, warum man sie jetzt gescheitert nennt ...

Mit einem wirksamen Hofnarren wäre ihnen dieser Absturz (möglicherweise) erspart geblieben.

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